Sehen & Entdecken

Das muss man sehen


Hohe Schule

Die Hohe Schule wurde 1584 von Graf Johann VI. Nassau-Katzenelnbogen begründet, einem Bruder Wilhelm von Oraniens, der für die Befreiung der Niederlande kämpfte. Graf Johann VI. führte in der Grafschaft Nassau das reformierte Bekenntnis ein.

Aufgrund der religiösen Ausrichtung (Calvinismus) der Bildungsstätte konnte man zwar keine akademischen Grade erwerben, aber alle wichtigen Studienfächer studieren.

Stadtmuseum in der Hohen Schule

Tauchen Sie ein in die Geschichte unserer Stadt. Handwerk, Handel, Wohnkultur und Bildung der Studenten und Professoren von einst werden wieder lebendig und von wechselnden Ausstellungen unterstützt.

Öffnungszeiten: Mi., Do. Sa., und So., jeweils von 13-17 Uhr und nach Vereinbarung.

Informationen zu Eintrittspreisen, Führungen und Sonderausstellungen unter www.museum-herborn.de. Tel. 02772/573810

  • Blätter vor der hohen Schule Herborn

  • Fachwerkfassase des historischen Rathauses

Historisches Rathaus

Auf dem ehemaligen Buttermarkt – heute Marktplatz  3  genannt - befinden sich Bürgerhäuser, frühere Kaufmannshäuser und mit dem Haus Markt 1/2,  ein Barockbau mit Mansarden-Dach.

Das Rathaus mit seinem markanten Uhrturm (Ursprungsbau 1589, nach Stadtbrand 1626 neu errichtet), einst Sitz der Räte und des Gerichts, beherbergt bis heute die Stadtverwaltung. Bemerkenswert ist die Wappenborte (Nachbildungen von 1914), die neben dem Stadtwappen auch Wappen wichtiger Herborner Familien aus der Errichtungszeit des Rathauses darstellt.


Schloss

Das in einem Zuge mit der Stadtbefestigung errichtete Wohnschloss wird um 1350 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Seit Gründung der Hohen Schule wurde das Schloss auch immer wieder für akademische Zwecke und Dienstwohnungen von Professoren genutzt.

Heute ist das immer noch bewohnte Schloss im Besitz der Ev. Kirche Hessen-Nassau und beherbergt mit dem Theologischen Seminar eine Nachfolgeinstitution der Hohen Schule. Zudem befindet sich in seinen Mauern eine bedeutende historische Bibliothek.

  • Komplettansicht des Herborner Schlosses

  • Evangelische Stadtkirche im Sommer

Evangelische Stadtkirche

Die sehenswerte Stadtkirche kann durchaus als ältestes Gebäude Herborns bezeichnet werden, da sie einst Zentrum eines großen Kirchspiels war, das auch den Hohen Westerwald umfasste (dokumentarische Ersterwähnung von Herborn: 1048).

Von den ehemals drei Türmen ist seit dem 19. Jahrhundert nur noch der Glockenturm erhalten geblieben. Im Inneren finden sich von Gotik, Renaissance bis Barock die unterschiedlichsten Baustile. Interessant sind auch Grabdenkmale bedeutender Professoren der Hohen Schule sowie der Sarkophag der Fürstin Isabella Charlotte von Nassau-Dillenburg.

Besichtigungen vom 1. Mai bis 3. Oktober jeweils dienstags, samstags und sonntags zwischen 14 und 16 Uhr sowie auf Anfrage beim Gemeindeamt (Kirchberg gegenüber Kirche, Tel. 02772/3337) und jederzeit im Rahmen der klassischen Stadtführung.


Die neuen Bürgerdenkmäler (2017)

In Bronze stehen sie da. Mit Mieze, Besen und Zylinder: „’s Heinzche“ Heinz Friese, Ernst de la Motte und „Katzemarie“ Maria Cyriax bilden zusammen das neue Herborner Bürgerdenkmal am „Platz an der Linde“.

  • Die neuen Bürgerdenkmäler in Herborn

Die „Katzemarie“ (1907-1979)

Das Leben von Maria Cyriax (geborene Ufer), genannt „Katzemarie“, lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Es gibt kaum schriftliche Dokumente. Das wenige, was Herborns ehemaliger Stadtarchivar Rüdiger Störkel zusammentragen konnte, stammt aus alten Chroniken oder den historischen Adressbüchern Herborns.

Maria Ufer, 1907 in der Dienstwohnung ihres Vaters bei der Herborner Pumpenfabrik geboren, lebte viele Jahre in der Altstadt „auf der Mühlbach 16“. Vermutlich in den 60er-Jahren zog sie in die benachbarte Chaldäergasse.

„Auf der Mühlbach war sie zu Hause, da war sie vernetzt“, sagt Störkel und zeichnet ein Bild jener Zeit: „Wer das Leben im Bereich Mühlbach/Chaldäergasse in den 50er-Jahren vor der Flächensanierung gekannt hat, weiß, wie vernetzt die Menschen damals waren.“

Die Fenster der Häuser standen meist offen, die Bewohner der Altstadt unterhielten sich quer über die Straßenzüge hinweg. „Herborner Ferngespräche ohne Telefon“, wie Störkel sagt. Es waren über Jahre gewachsene Netzwerke, die durch die Flächensanierung zerstört wurden. Viele Menschen wurden in moderne Sozialwohnungen am Stadtrand umgesiedelt, die alten Häuser abgerissen. Auch das von Maria Cyriax.

Doch die „Katzemarie“, seit den 50er-Jahren verwitwet, schaffte es, in eines der übriggebliebenen Häuser in der Chaldäergasse zu ziehen. Ein „kleines verwunschenes Häuschen“, Hausnummer 24. Heute steht aber auch dieses Gebäude nicht mehr. „Ich wüsste gerne wie, wie sie es geschafft hat, dorthin zu ziehen“, sagt Störkel. Vielleicht habe sie „keine Ruhe gegeben“, bis sie in der Altstadt bleiben konnte.

In dem Haus in der Chaldäergasse betrieb sie auch ihr „inoffizielles Katzenheim“. Laut einem Zeitungsartikel aus den 70er-Jahren betreute sie dort zwölf Katzen. „Und das bei einer kleinen Rente von weniger als 500 Mark.“ Und sie war in der Stadt unterwegs, um herrenlose Katzen zu füttern. Oft sah man die „Katzemarie“ mit ihrer dunklen Tasche, in der sie das Futter für die Tiere verstaut hatte.

Die „Katzemarie“ hatte aber auch „interessante Kontakte“, wie Rüdiger Störkel sagt. Beispielsweise zu Karl Hartmann, dem Grandseigneur des Herborner „Schloss-Hotels“, mit dem sie freundschaftlich verbunden war.
Maria Cyriax starb am 11. August 1979 im Alter von 72 Jahren.


‘s Heinzje (1926-1998)

Besonders angetan hat es den Herbornern die Figur des kleinwüchsigen Heinz Friese. Auch sein Leben lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Denn genau wie bei den beiden anderen beiden Originalen in der Runde gibt es auch zum „Heinzche“, wie er liebevoll genannt wurde, kaum schriftliche Dokumente.

Fest steht: „’s Heinzche“ wurde am 16. März 1926 in der Stadt Elbing im früheren Ostpreußen (bis 1920 Westpreußen) geboren. Seine Mutter starb früh, und so kam er als 16-Jähriger alleine nach Deutschland. Zunächst nach Weilmünster und 1945/46 dann nach Herborn. Ein neues Zuhause fand er in der Landesheil- und Pflegeanstalt (heute Vitos-Kliniken) in der Austraße.

„Er kam alleine hierher, konnte weder lesen noch schreiben“, beschreibt Herborns ehemaliger Stadtarchivar Rüdiger Störkel die Situation zu jener Zeit. Er spricht von „schwarzen Wolken“, die bis 1945 über dem Leben von Heinz Friese hingen. Denn aufgrund seiner Kleinwüchsigkeit musste er in der Zeit des Nationalsozialismus’ um sein Leben fürchten.

„Er hat es nicht nur geschafft, sich in seiner neuen Umgebung zurecht zu finden, sondern auch, den Menschen etwas mitzugeben“, sagt Störkel. Die Menschen wiederum schenkten Heinz Friese ihre Zuneigung. Und im Laufe der Jahre entwickelte sich „’s Heinzche“ zum Stadtoriginal. Er erledigte für die Herborner Geschäftsleute Botengänge und kehrte die Straße vor den Geschäften. „Für Kinder war er ganz faszinierend. ,Zwerge gibt es doch nur im Märchen’, hatten die immer gedacht und dann gemerkt: Nein, die gibt es wirklich“, sagt Störkel.

Wenn Kleinwüchsige es anderswo zumeist schwer im Leben gehabt hätten, so sei das beim „Heinzche“ anders gewesen: „Was ihm und den Herbornern gelungen ist, ist, ihn ins Stadtleben einzubinden.“ Dafür stehe auch das Lächeln, das Original wie bronzenes Abbild auszeichne. Heinz Friese habe eine „Nische im Leben gefunden, die ein gewisses Glück bedeutet“ habe. "’s Heinzche“ war so bekannt, dass der Herborner Kunstmaler Ernst Grimm ihn zum Hessentag 1986 sogar porträtierte.

Heinz Friese sei ein Phänomen gewesen, sagt Rüdiger Störkel. Obwohl ihm das Leben die schlechtesten Karten gegeben habe, habe er es geschafft, Anerkennung und Freundschaft zu finden.

Heinz Friese starb am 30. Mai 1998 in Herborn.


„Della“ Motte (1899-1980)

Er ist der größte in der Runde – Ernst Karl de la Motte. Ähnlich wie bei Maria Cyriax und Heinz Friese lässt sich auch sein Leben nur bruchstückhaft rekonstruieren. Und das, obwohl er eine Druckerei besaß.

Ernst Karl de la Motte wurde am 12. April 1899 in Herborn geboren. Er arbeitete als Buchdrucker. Zunächst war er Mitinhaber der Firma Jungels und de la Motte, später alleiniger Besitzer der Druckerei am Hintersand 4. Das Haus, im dem „Della“ nicht nur arbeitete, sondern auch wohnte, steht noch heute.

Sein Unternehmen war ein klassischer Ein-Mann-Betrieb. „Im Auftrag heimischer Firmen druckte er vor allem Kataloge und Prospekte“, berichtet Rüdiger Störkel. Zum Beispiel für die Firma Berkenhoff & Drebes. „Wie brachte er seine Prospekte zu Berkenhoff in einer Zeit, in der Autos eine Rarität waren? Ganz einfach: Er packte die Prospekte in seinen Rucksack und lief über den "Merkenbacher Stich", beschreibt Störkel jene Zeit. Berkenhoff sei schon damals ein international aufgestelltes Unternehmen gewesen. „Es kann also sein, dass Prospekte, die de la Motte zu Fuß nach Merkenbach trug, irgendwo am anderen Ende der Welt auftauchten.“

Doch die Ära der kleinen Druckerei dauerte nur ein Vierteljahrhundert von 1925-1950. Für kurze Zeit war anschließend Otto Hofmann Inhaber des Unternehmens, 1961 übernahm Winfried Fehse den Betrieb. De la Motte blieb zeitlebens Junggeselle, was möglicherweise am Tod einer Jugendliebe lag. Vielleicht auch deshalb berichten Menschen die ihn gekannt haben, von einer leicht melancholischen Art.

Fest steht: „Della“ war nicht nur Unternehmer, sondern auch Sportskanone. Den 1920 gegründeten SV Herborn habe er mit seinen Toren nach vorne geschossen, berichtet Störkel. „Er war zu seiner Zeit bekannt dafür, dass er einen markanten Schuss hatte.“ Einmal soll er sogar ein ganzes Tor umgeschossen haben.“ Davon zeugt auch der damals populäre Schlachtruf „De la Schuss“.

De la Motte brachte sich auch ins gesellschaftliche Leben Herborns ein: In den 60er/70er Jahren rief er mit Gleichgesinnten den Flohmarkt in der Innenstadt ins Leben.
Ernst Karl de la Motte starb 1980 in Herborn.

(Quelle: Herborner Tageblatt/Rüdiger Störkel)


Bürgerdenkmal (2005)

Ferdinand Nicodemus (mit Stock), Johann Heinrich Hoffmann (mit Bart) und Albert Schumann standen zu Beginn des 20. Jahrhunderts oft so auf dem Marktplatz im Plausch zusammen. Wer waren die drei berühmten Zeitgenossen und welche Bedeutung hatten sie in der Herborner Geschichte?

 


Johann Heinrich Hoffmann (31.08.1830 – 11.02.1915)

Er stammte aus einer Tuchmacherfamilie und engagierte sich bereits in jungen Jahren (1848/49) in der Vormärzbewegung zugunsten der Demokratie. Später wurde er Herausgeber der demokratischen Blattes „Neue Zeitung“ (gemeinsam mit dem späteren Bürgermeister Dr. Siegfried).

Er war der Gründer der Herborner Pumpenfabrik (1874), Gründer des Geschichtsvereins (1883) und des Stadtmuseums (inklusive langjährigem Vorsitz des Vereins), Wiedergründer des Turnvereins (dessen Vorsitzender er lange Zeit war), Gründer der Feuerwehr (1851) und der Volksbank (1861).

Er war auch Herausgeber der Geschichtsblätter des Geschichtsvereins von 1904-14 und Mitglied im Stadtvorstand (Vorläufer des Magistrats). Aufgrund seines vielfältigen Engagements wurde Hoffmann Ehrenbürger von Herborn.


Dr. Albert Schumann (1862 - 1940)

Er stammte aus einer Metzgerfamilie und wurde Lehrer. Er war Rektor der damaligen Herborner Volksschule (heute Kirchbergschule) und auch in vielen Vereinen engagiert, u.a. als Vorsitzender im Geschichtsverein sowie im Gesangverein.

Er war bekannt dafür, sehr interessante Reden zu schreiben. Er ordnete das Stadtarchiv und verfasste eine Anzahl von Beiträgen zur Stadtgeschichte. Die Veröffentlichung eines Buches zur Historie, die er im Ruhestand plante, wurde durch die Zeitumstände verhindert. Schumann hat daneben große Verdienste um die Förderung der Gesangvereine.


Ferdinand Nicodemus (1854 – 1931)

Er stammte aus einer Bäckerfamilie, war Redakteur der von J.H. Hofmann und Dr. Siegfried (später Bürgermeister) herausgegebenen demokratischen „Neuen Zeitung“ und machte sich später als Auktionator und Rechtsbeistand selbständig. Hauptberuflich war er Feuerwehrkommandant.

Als Herborner Lokalpoet schrieb er Gedichte und Verse, die zu zahlreichen Anlässen in Hoffmanns Zeitung oder im Herborner Tageblatt veröffentlicht wurden. Zu seinen politischen Dichtungen gehört ein als Flugblatt verbreiteter Protest gegen den Antisemitismus der „Böcklerbewegung“. Er war lange Stadtverordneter.