Wirtschaftsdelegation besucht erstmals einen Betrieb der Tourismuswirtschaft: Schauhöhle Herbstlabyrinth verbindet Naturerlebnis, Wissenschaft und regionale Wertschöpfung
Der Lahn-Dill-Kreis informiert: 13 Kilometer vermessene Gänge, rund 102 Meter Höhenunterschied und ein unterirdischer Verlauf des Erdbachs von etwa 2 Kilometern: Unter Breitscheid verbirgt sich Deutschlands viertgrößtes Höhlensystem. Das Herbstlabyrinth-Adventhöhlensystem ist seit seiner Entdeckung im Jahr 1993 immer wieder für Überraschungen gut. Ein kleiner Teil davon ist für Besucherinnen und Besucher zugänglich, darunter auch die Knöpfchenhalle, einer der größten Einzelhöhlenräume des Höhlensystems. Für die Kreis-Wirtschaftsdelegation war das Anlass, erstmals einen Betrieb der Tourismuswirtschaft im Rahmen seiner Unternehmensbesuche in den Mittelpunkt zu stellen.
Bei dem Besuch ging es um die wissenschaftlichen Besonderheiten des Höhlensystems, den Betrieb der Schauhöhle und ihre Bedeutung für den Tourismus in der Region. Zugleich wurde deutlich, wie viele unterschiedliche Partner daran beteiligt sind, die Höhle zu erforschen, zu schützen und für Besucherinnen und Besucher erlebbar zu machen.
Die Gemeinde Breitscheid betreibt die Schauhöhle. Mit der Firma Holcim im benachbarten Kalksteinbruch besteht seit Jahren eine enge und konstruktive Zusammenarbeit. Die Speläologische Arbeitsgemeinschaft Hessen e.V. leitet die Erforschung und den Schutz des Höhlensystems. Damit treffen an einem außergewöhnlichen Ort kommunale Verantwortung, Rohstoffwirtschaft, Wissenschaft, Naturschutz und Tourismus aufeinander.
Breitscheids Bürgermeister Yannick Konrad erläuterte die besonderen Anforderungen, die mit dem Betrieb der Schauhöhle verbunden sind. In seiner Doppelrolle als Bürgermeister und Betriebsleiter trage er Verantwortung für ein touristisches Angebot, das weit über Breitscheid hinausstrahle. „Die Höhle ist ein Highlight in Breitscheid und wir arbeiten hier sehr mit mehreren Akteuren Hand in Hand daran sie professionell zu betreiben und gleichzeitig in unsere kommunale Entwicklung einzubetten“, so Konrad.
Unterirdische Einblicke
Wie außergewöhnlich das Höhlensystem ist, erläuterte Ingo Dorsten: „Das Herbstlabyrinth gehört mit der Adventhöhle zu einem weit verzweigten System mit großen Einzelhöhlenräumen, langen Gangsystemen und einer Vielzahl unterschiedlicher Tropfsteinformationen.“ Für Besucherinnen und Besucher wird dieser unterirdische Raum durch Führungen und eine darauf abgestimmte Lichtinszenierung erlebbar. Ingo Dorsten verwies zugleich auf die wissenschaftliche Bedeutung des Höhlensystems und den wirtschaftlichen Aspekt. Immerhin wurde das Beleuchtungssystem im Breitscheid entwickelt und in über 125 Projekten weltweit vertrieben. „Aus einer Idee von ehrenamtlichen Höhlenforschern hat sich ein Unternehmen gegründet, dass heute in Herborn ansässig ist und weltweit tätig ist.“. Als bergrechtlich bestellter Sicherheitsbeauftragter betonte er auch, wie wichtig der Schutz und die fachkundige Betreuung dieses Systems sind. Seit der Entdeckung wurden immer wieder neue Bereiche im Höhlensystem entdeckt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die man dort gewinne, reichten weit über die Schauhöhle hinaus und tragen dazu bei, das gesamte Höhlensystem zu verstehen und zu bewahren, so Dorsten. Er ergänzte zudem, dass man mit der Firma Holcim seit Jahren eng, vertrauensvoll und konstruktiv zusammenarbeite und gemeinsam immer wieder naturverträgliche Lösungen für einen Fortbestand des Rohstoffabbaus und den Höhlenschutz in Breitscheid gefunden habe.
Tourismus mit Wirkung über die Höhle hinaus
„Das Herbstlabyrinth ist ein außergewöhnlicher Ort, der zeigt, welches Potenzial in den natürlichen Besonderheiten unserer Region steckt. Hier kommen Natur, Wissenschaft und ein besonderes Besuchserlebnis zusammen. Solche Angebote machen unsere Region für Gäste attraktiv und stärken zugleich die Lebensqualität und die regionale Wirtschaft“, betonte Landrat Carsten Braun.
Bei dem Besuch ging es auch um die weitere touristische Entwicklung der Schauhöhle. Unter anderem wurde die Möglichkeit angesprochen, den Besuchsbetrieb künftig auch in den Wintermonaten stärker zu öffnen. Dadurch könnten zusätzliche Besuchsanlässe entstehen und die touristische Präsenz des Westerwaldes über das gesamte Jahr hinweg gestärkt werden.
Michael Volkwein von der Tourismusförderung des Lahn-Dill-Kreises unterstrich, dass die wirtschaftliche Wirkung eines touristischen Anziehungspunkts nicht am Eingang der Höhle endet: „Von den Besucherinnen und Besuchern profitierten auch Unterkünfte, Gastronomie, Einzelhandel und weitere touristische Angebote in der Region.“ Ein nächster Entwicklungsschritt sei die Integration der Online-Buchbarkeit der Schauhöhle in das touristische Buchungssystem Deskline. Damit soll die Höhle an die digitale Infrastruktur der Destinationen Westerwald und Lahntal angebunden werden.
Auch Alexander Cunz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill, der selbst in Herborn lebt und die Schauhöhle bereits mehrfach besucht hat, hob ihre Bedeutung als Ausflugsziel hervor. Für ihn gehöre sie zu den eindrucksvollsten Orten der Region und sei ein touristisches Aushängeschild.
Der Unternehmensbesuch zeigte, dass die Bedeutung des Herbstlabyrinths weit über das eigentliche Naturerlebnis hinausgeht. Die Höhle ist Forschungsort, Naturschutzaufgabe und touristischer Anziehungspunkt zugleich, und damit ein Beispiel dafür, wie eine außergewöhnliche natürliche Besonderheit Impulse für die Region geben kann.